Den Atlantik mit einem Kanal mit dem Mittelmeer verbinden? Schon die Römer haben diese Idee in Betracht gezogen, gefolgt von Karl dem Großen, Franz I und Heinrich IV. Die Vorteile? Den Umweg über die Passage von Gibraltar mit ihren Piraten vermeiden und die Verkürzung des langen Warentransportwegs. Ein verrücktes Projekt, eine gigantische Baustelle, die von Pierre-Paul Riquet, Sohn der Stadt Béziers unter der Herrschaft von Ludwig XIV realisiert wurde. Ein Meisterwerk des Bauingenieurwesens und der Ästhetik, das der Nachwelt und dem Languedoc hinterlassen wurde.

Warum war Paul Riquet dort so erfolgreich, wo alle anderen versagt hatten? Weil er eine Lösung für das Hauptproblem gefunden hatte: die dauerhafte Speisung des Kanals mit Wasser.


Er fand sie in den Bächen des Montagne Noire zwischen Carcassone und Castelnaudary. Er sammelte dieses Wasser in einem Staubecken in Saint-Ferréol und lenkte es durch eine Wasserrinne zum Punkt der Wasserscheide am Seuil de Naurouze: ab hier fließt das Wasser auf natürliche Weise einerseits in Richtung Osten (Mittelmeer); und andererseits in die entgegensetzte westliche Richtung (Atlantik).

Kleiner Geschichtskurs 

1609: Geburt von Pierre-Paul Riquet in Béziers

1666: erhielt Pierre-Paul Riquet die Erlaubnis zum Bau des Kanals durch königliches Dekret Grundsteinlegung für den Hafen von Sète, zukünftige Mündung des Kanals.

1667: Anfang der Bauarbeiten des Kanals

1680: sechs Monate vor Fertigstellung des Kanals stirbt Paul Riquet in Toulouse

1681: im Mai wird der Canal du Midi mit großem Pomp eingeweiht.

Der Canal du Midi in Zahlen 

Länge: 240 km, zwischen Toulouse und Sète

Breite: 20 bis 24 m

Tiefe: 2 m durchschnittlich

Architektonische Kunstwerke: 63 Schleusen, 350 Brücken, Wehre, Reservoire etc.

Vegetation: 42000 Bäume säumen im 19. Jahrhundert den Kanal zwischen Toulouse und Sète.

Personal auf der Baustelle: 11400 Männer und 600 Frauen

Verlängerung: bis zum Atlantik zwischen Toulouse und Bordeaux durch den Seitenkanal an der Garonne 193 km lang (1856).

Dauer der Bauarbeiten: 14 Jahre (1667-1681).

Frequentierung: 8000 Boote jährlich passieren die Schleusen von Fonseranes in Béziers zwischen April und Ende Oktober.